GEHE GUT IN DIE NACHT

Der 29. April: ein trauriger Tag. Denis Theodore Goldberg, der ‘sanfte Riese” wie jemand ihn nannte, hat uns verlassen. Wir trauern um ihn, gleichzeitig feiern wir ein Leben der Ehrlichkeit, Mut und unbeirrlicher Verteidigung des Rechts auf Gerechtigkeit jedes Menschens. Ein lieber Freund, den man vermisst und der unvergesslich ist. Der einzige Weiße, der im wichtigen Rivonia Prozess 1964 neben Nelson Mandela und sechs anderen 1964 stand, die vom Gericht zur lebenslänglichen Haft verurteilt wurden, wovon er 22 Jahre hinter Gittern verbrachte, ist nicht mehr unter uns.

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa hat verständlicherweise und äußerst passend drei Tage Trauer für Denis verordnet, während der die Flaggen auf Halbmast flattern werden. Eine verdiente Ehre für einen Mann, dessen Bemühungen, Leiden – sein Leben! – zu einem freien Südafrika beigetragen hat. Denis war ein Mann für vieles, doch mit dem einzigen Leitprinzip niemals den Kampf für soziale Gerechtigkeit aufzugeben.

„Der einzige Weiße, der im wichtigen Rivonia Prozess 1964 neben Nelson Mandela und sechs anderen…, ist nicht mehr unter uns.  

Während die Konzodolenzschreiben und Tribute aus aller Welt die Familie, Denis ‘House of Hope’, die Denis Goldberg Legacy Foundation erreichen, erinnern sich viele, wie auch ich an unsere eigenen Begegnungen mit Denis. Er wurde 1933 in Kapstadt geboren, seine Großeltern waren den Schrecken der antisemitischen Angriffe in Litauen der letzten Jahr der 1880 Dekade London geflohen, von dort emigrierten seine Eltern Sam und Annie nach Südafrika. Denis politisches Bewusstsein wurde im Elternhaus erweckt, Sam was Mitglied der kleinen Kommunistischen Partei. Weder die Eltern noch Denis waren religiöse Juden.  Er hatte nichts gegen Judentum oder Juden, aber wie andere war er enttäuscht, dass die offiziellen Vertreter der Juden erst lange die Apartheid nicht verurteilten, später auch nur zaghaft. Vor allem hatten sie nicht die jüdischen Aktivisten unterstützt. Die Haltung des südafrikanischen Vorstand der jüdischen Vertreter (SA Jewish Board of Deputies) widerspiegelte das Dilemma jeder jüdischen Diaspora Gemeinschaft – eigentlich das Dilemma jeder Diaspora Gemeinschaft – die richtige Balance zu finden zwischen Treue gegenüber dem Land in dem sie zuhause ist und dem Schutz der eigenen Gruppe. In Deutschland beteten Juden für das Wohl des Kaisers und Vaterlands, danach für die Weimar Republik, in Groß Britannien für das des Königs oder der Königin. Denis ehrte mich, indem er bei der Eröffnung einer Ausstellung über mich und die Präsentation der englischen Ausgabe meiner Biografie im Jüdischen Museum in Kapstadt anwesend war, das er zuvor nie betreten hatte.

Seine zahlreichen Leistungen sind erstaunlich. Man braucht nur daran zu denken, dass er sofort nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis für die Anti-Apartheidbewegung unermüdlich tätig war.  Man braucht nur an sein Community H.E.A.R.T. (Gesundhet, Erziehung und Aufbau) zu denken, das nicht nur Millionen Rand, sondern auch 3 Millionen Bücher für unterprivilegierte Kinder sammelte. Trotz seiner Krankheit bemühte er sich weiter erfolgreich für sein großartiges ‚Haus der Hoffnung‘ in Houtbay für Jugendliche, das sein Erbe fortführen wird, Kinder zu unterstützen. Wer kann seine Vorträge und Diskussionen mit dem Publikum vergessen, die weltweit Zuhörer beeindruckt hat! All das ging Hand in Hand mit seiner Integrität. Denis war keiner der ruhig blieb, als einiges in seiner Partei, dem African National Congress schief zu laufen begann. Er verwarf Korruption öffentlich und forderte den Rücktritt des ehemaligen Präsident Jacob Zuma, sein “einst mutiger Genosse”.

Man wird ich an derartiges und mehr erinnern. Meine erste Begegnung mit Denis war zur Zeit meines 70. Geburtstag, as Esme, Denis erste Frau und meine Freundin, mit ihm und anderen Freunden deswegen ein Wochenende auf der Isle of Wight verbrachte, wo ich damals lebte. Er war verärget als wir einen Bus gemietet hatten und ihn als Ehrengast nicht zur Kasse gebeten hatten. Er bestand darauf seinn Beitrag zu zahlen. Dieses Zusammentreffen führte zu vielen weiteren im Lauf der nächsten 25 Jahre, erstens, weil nach diesem Besuch Esme und Denis regelmäßig die IOW und mich besuchten. Das letztemal war im Dezember 1999, als Esme erkrankte und die Reise abgebrochen wurde. Nur wenige Wochen danach verlor sie den Kampf mit dem Tod. Meine Freundschaft mit Denis brach keineswegs ab, nachdem er ins Kap, ich nach Deutschland gezogen war. In der Tat ehrte er mich, indem er einen Geburtstag von Mandela verpasste um die Laudatio zu halten, als der Aschaffenburger Stadtrat sich entschieden hatte, eine Realschule nach mir zu nennen (eine große Ehre – aber irgendwie bin ich nun mal stellvertretend für die einst blühende jüdische Gemeinde der Stadt.)

Es ist soviel über Denis zu sagen – über seine Lebenslust, seinem Lachen und Humour – seinem Mitgefühl und Wärme. Ich möchte ein jiddisches Wort benutzen, das Jeremy Cronin, Denis ehemaliger, zu sieben Jahren verurteilter Gefängnis Genosse, sagte: er war a mensch.

Lieber Denis, schreite gut in die Nacht!